Blockieren Privatpatienten Termine? – Ein Blick auf die aktuelle Diskussion
Die Suche nach einem Arzttermin gestaltet sich für viele gesetzlich Versicherte als langwierig. Der Bundesrat hat daher eine Initiative gestartet, um die Terminvergabe gerechter zu gestalten. Auf Antrag Niedersachsens soll geprüft werden, ob gesetzlich Versicherte gegenüber Privatpatienten benachteiligt werden. Vorschläge wie Mindestquoten für gesetzlich Versicherte oder finanzielle Anreize für Ärzte, die überwiegend gesetzlich Versicherte behandeln, stehen im Raum. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi betonte, dass alle Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrem Versicherungsstatus gleichberechtigten Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung haben sollten.
Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, widerspricht jedoch der Annahme, dass Privatpatienten Termine blockieren. Er argumentiert, dass rund 90 Prozent der Bevölkerung gesetzlich versichert sind und somit den Großteil der Termine ausmachen. Zudem würden Privatpatienten seltener zum Arzt gehen. Gassen bezeichnet den Vorstoß Niedersachsens als „pure Augenwischerei“, da Termine, die nicht existieren, auch nicht per Gesetz geschaffen werden könnten.
„Es geht eben nicht nur um ein Datum im Kalender wie bei einem Friseurtermin, sondern um die Koordination von Versorgung.“ – Andreas Gassen, KBV-Chef
Eine Auswertung der Termin-Servicestellen zeigt, dass Facharzttermine im Jahr 2023 durchschnittlich innerhalb von 12 Tagen vermittelt wurden. Hausärzte hatten mit 4 Tagen die kürzesten Wartezeiten, während Patienten bei Endokrinologen und Diabetologen im Schnitt 26 Tage warten mussten. Eine Umfrage des GKV-Spitzenverbandes ergab, dass 31 Prozent der gesetzlich Versicherten die Wartezeiten als zu lang empfinden, wobei jeder Vierte länger als 30 Tage auf einen Facharzttermin wartet.
Fachrichtung | Durchschnittliche Wartezeit (Tage) |
---|---|
Hausärzte | 4 |
Kinderärzte | 9 |
Augenärzte | 11 |
Hautärzte | 14 |
Endokrinologie/Diabetologie | 26 |
Der GKV-Spitzenverband fordert eine diskriminierungsfreie digitale Terminvermittlung, bei der der Versicherungsstatus keine Rolle spielen soll. Vorstandsvize Stefanie Stoff-Ahnis betonte, dass echte Gleichbehandlung nur erreicht werden könne, wenn bei der Terminvergabe nicht mehr nach dem Versicherungsstatus gefragt werde.
- Der Bundesrat fordert gerechtere Terminvergaben für gesetzlich Versicherte.
- Privatpatienten blockieren laut KBV keine Termine, da sie seltener zum Arzt gehen.
- Die durchschnittliche Wartezeit auf Facharzttermine beträgt 12 Tage, variiert jedoch stark je nach Fachrichtung.
- Der GKV-Spitzenverband setzt auf digitale Lösungen zur Terminvergabe.
Zusammenfassung: Die Diskussion um die Terminvergabe zwischen gesetzlich und privat Versicherten bleibt kontrovers. Während der Bundesrat Maßnahmen zur Gleichbehandlung fordert, sieht die KBV keine Benachteiligung. Digitale Lösungen könnten zukünftig eine gerechtere Verteilung ermöglichen.
Quellen: